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Europol: Vier Personen verhaftet, die hilfsbedürftige Opfer zum Betteln gezwungen haben

Im Rahmen von Ermittlungen des Landeskriminalamts Oberösterreich, des Bundeskriminalamts, der Polizei Bayern, der ungarischen Nationalpolizei (Magyar Rendorseg) und der rumänischen Polizei (Poliția Română), die von Europol und Eurojust unterstützt wurden, gelang es den Beamten, eine organisierte Verbrecherbande zu zerschlagen, die Menschenhandel zum Zweck der Zwangsbettelei betrieb. Das kriminelle Netzwerk war besonders gewalttätig und missbrauchte extrem schutzbedürftige Personen.

Ergebnisse vom 6. April 2022

  • 7 durchsuchte Orte (1 in Österreich, 2 in Deutschland, 1 in Ungarn und 3 in Rumänien)
  • 4 Verhaftungen (1 in Deutschland, 1 in Ungarn, 1 in Österreich und 1 in Rumänien)
  • Beschlagnahmt wurden unter anderem: Telefone und andere elektronische Geräte, mehr als 90 000 EUR und 9 400 RON in bar, 1 kg Gold.

Zwei Opfer starben während der Ausbeutung

Seit 2017 ermitteln die nationalen Behörden der vier betroffenen Länder gegen diese familienbasierte Gruppe der organisierten Kriminalität. Dabei wurde auch gegen Mitglieder der Gruppe rumänischer und ungarischer Herkunft ermittelt, die Opfer in Österreich und Deutschland verschleppten und ausbeuteten. Die Opfer ungarischer und rumänischer Herkunft waren aufgrund von Alkoholabhängigkeit und Obdachlosigkeit besonders gefährdet. Sie waren gezwungen, an bestimmten Orten in einer Reihe von Städten zu betteln, darunter die deutschen Städte Ingolstadt, Nürnberg und Berlin sowie die österreichischen Städte Feldkirch, Linz, Bad Hall und Stayer. Sie waren völlig von dem kriminellen Netzwerk abhängig, und ihre Dokumente wurden ihnen bei der Ankunft in fremden Ländern, in denen sie die Sprache nicht sprachen, abgenommen. Das kriminelle Netzwerk versorgte sie mit einem Butterbrot oder gerade genug Alkohol, um den Tag zu überleben, während es gleichzeitig über 200 000 Euro an den Aktivitäten der 11 Opfer verdiente. Die Opfer waren einer unmenschlichen Behandlung und einem unwürdigen Lebensumfeld ausgesetzt und mussten Gewalt durch die Verdächtigen ertragen. Zwei der Opfer starben aufgrund gesundheitlicher Probleme, während sie unter extrem unwürdigen Bedingungen ausgebeutet wurden. Die kriminelle Bande zwang auch eine ähnlich gefährdete Person, in ihrem Haus zu arbeiten, und behandelte sie als Haussklavin.

Europol erleichterte den Informationsaustausch und leistete analytische Unterstützung bei diesen Ermittlungen. Am Tag der Aktion setzte Europol einen virtuellen Gefechtsstand ein, um den Echtzeitaustausch von Informationen zwischen Ermittlern, Europol und Eurojust zu ermöglichen.

Eurojust hat ein gemeinsames Ermittlungsteam zwischen Deutschland, Ungarn, Rumänien und Europol im Jahr 2021 eingerichtet.

Teilnehmende Behörden:

  • Österreich: Landeskriminalamt Oberösterreich und Bundeskriminalamt, Zentralstelle zur Bekämpfung des Menschenhandels, Wien.
  • Deutschland: Kripo Ingolstadt (Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt), die deutsche Polizei Bayern (Landespolizei).
  • Ungarn: Schnellreaktions- und Sonderpolizeidienststellen, Nationales Ermittlungsbüro, Einheit Menschenhandel (Készenléti Rendőrség Nemzeti Nyomozo Iroda, Emberkereskedelem Elleni Osztály).
  • Rumänien: Direktion für Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus innerhalb der rumänischen Polizei (Poliția Română, Serviciul de Combatere a Criminalității Covasna).