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Bitkom zur Debatte über Schulschließungen

Aus Anlass der Kultusministerkonferenz und der Debatte über Infektionsschutz an Schulen und digitalen Unterricht erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg: „Die Rufe nach verlängerten Ferien, Schulschließungen und einem zusätzlichen Schuljahr sind ein bildungspolitischer Offenbarungseid. Unfreiwillige Freizeit hatten unsere Schüler in diesem Corona-Jahr schon zur Genüge. Jetzt rächt sich, dass viele Bundesländer und Schulen kategorisch am Präsenzunterricht festgehalten und digitale Alternativen nicht energisch vorangetrieben haben. Die Corona-Pandemie ergriff Deutschland vor einem dreiviertel Jahr und so war genügend Zeit, Schulen, Schüler und Lehrer auf die aktuelle Situation vorzubereiten und zu innovativen, flexiblen und digitalen Bildungsformaten zu wechseln. Der Digitalpakt Schule wird seit fast fünf Jahren diskutiert, seit Mai 2019 stehen mehr als 5,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung, nur ein Bruchteil davon wurde abgerufen. Die von einigen Landesdatenschutzbeauftragten ausgelöste Verunsicherung engagierter Lehrer und Schulleiter hat die vorhandenen Digitalisierungsbemühungen zusätzlich gebremst. Die Prinzipienreiterei auf dem Rücken von Schülern, Lehrern und Eltern muss ein Ende haben.

Einerseits Restaurants zu schließen, andererseits aber Schüler und Lehrer Tag für Tag in die Klassenzimmer zu zwingen, ist absolut unlogisch. Statt die Schüler jetzt nach Hause zu schicken, sollte, wo es technisch möglich ist, auf digitalen Fernunterricht umgestellt werden. Und auch über virtuelle Klassenzimmer hinaus gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, jenseits des Schulgebäudes Lernstoff über digitale Technologien zu vermitteln, mit Lern-Apps wie AntonApp, StudySmarter, scoyo oder Duolingo und Video-Tutorials wie Sofatutor, bettermarks oder simpleclub. Digitale Bildungsangebote müssen sich nicht hinter klassischem Unterricht verstecken, schon gar nicht in Pandemie-Zeiten. Ein ‚Das können wir nicht‘ darf nach all den Monaten als Ausrede nicht mehr durchgehen. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, die massive Verunsicherung bei Lehrern, Eltern und Schülern in Fragen des Datenschutzes aufzulösen, jetzt ist Pragmatismus gefragt statt rückwärtsgewandtem Dogmatismus. Die Bundesländer müssen klare, bundeseinheitliche Vorgaben machen, welche digitalen Lerntechnologien jetzt eingesetzt werden können und sie müssen umgehend Lizenzen für Lernsoftware bereitstellen, um digitalen Unterricht überall möglich zu machen. Schulen, die kurzfristig keinen digitalen Unterricht ermöglichen können, sollten projektbasiertes, eigenständiges Lernen von zu Hause anbieten und damit Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Problemlösungsfähigkeit vermitteln, die gerade in der digitalen Welt von großer Bedeutung sind.“