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Meusel & Beck, Nürnberg, wagen spannenden Schritt: 4-Tage-Woche bei den Sicherheitsspezialisten

Die Sicherheitsspezialisten der Meusel & Beck GmbH, Nürnberg, gingen im Juli 2022 einen mutigen Schritt: Das Unternehmen an der Stadtgrenze zu Fürth setzt seitdem auf die freiwillige 4-Tage-Arbeitswoche.

Wie eine Nürnberger Lokalzeitung unlängst berichtete, führte die 1956 in Deutschland eingerichtete 5-Tage-Woche (mit 40 Arbeitsstunden) nicht zum jenerzeit befürchteten „Untergang des Abendlandes“. Die hiesige Wirtschaft kollabierte nicht, im Gegenteil. Meusel & Beck springt daher mutig auf die zeitgemäße Entwicklung auf und versucht sich seit Juli 2022 an der 4-Tage-Woche auf freiwilliger Basis.

Eine interne Umfrage hatte großes Interesse dafür ergeben. „Wer von unseren 38 Mitarbeitern das will, darf es seitdem gerne“, schildert Vertriebs-Geschäftsführer Johann Hanek den neuen Schritt. Neun der derzeitigen Kollegen arbeiteten ohnehin in Teilzeit. Er zählt auf, dass sich von den 29 weitere 19 für das neue Arbeitszeitmodell entschieden hätten. Zehn seien bei der bisherigen 5-Tage-Woche geblieben. Für alle Vollzeitkräfte wurde die Arbeitszeit von 38,5 auf 38 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich reduziert.

Gründe sind individuell

Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Mitarbeiter selbst: „Die, die sich für die neue 4-Tage-Woche entschieden haben, genießen bewusst einen freien Tag mehr“, sagt Hanek. „Und die, die bei der alten Arbeitszeitregelung geblieben sind, wollen aus unterschiedlichen Gründen nicht länger je Tag arbeiten“. Denn: Wer die 4-Tage-Woche bei gleichem Gehalt nutzt, muss an diesen Tagen statt üblicher acht nun 9,5 Stunden ran. Dieses Später-nach-Hause wollten vor allem Kinder-Erziehende verständlicherweise nicht in Kauf nehmen.

Die Anzahl der Überstunden sei mit dem neuen Modell generell nicht gestiegen, und für die „Zeit-Verkürzer“ fiele, so eines von deren guten Argumenten, ein ganzer Tag beruflichen Pendelns auf der Straße weg. Homeoffice hingegen – so Johann Hanek weiter – sei beim Traditionsunternehmen Meusel & Beck noch nie ein großes Thema gewesen: „Die allermeisten arbeiten gerne vor Ort, die wollen gar nicht zu Hause am Bildschirm hocken. Viele unserer Tätigkeiten verlangen auch die Anwesenheit im Büro, das geht gar nicht anders“.

Servicezeiten sind eher umfangreicher geworden

Die anfänglichen Bedenken in Sachen Servicequalität, Ladenöffnung und Notdienste für die Kunden seien bei den Vorüberlegungen groß gewesen. „Doch es hat sich herausgestellt, dass das kein Problem ist“, freut es den Geschäftsführer. Denn da die freiwillige 4-Tage-Woche keinen bestimmten Wochentag festlegt (etwa den Freitag), verteilt sich die Anwesenheit der Mitarbeiter so auf die fünf Tage, dass für die Kunden keine Leerzeiten entstünden und der Geschäftsladen weiterhin ganz normal geöffnet sei. Jeden Tag.

Im Gegenteil: Die 1,5 Stunden mehr an „Ausgleichsarbeit“ seien etwa bei der Ladenbedienung und den Außendienst-Monteuren in die Frühstunden verlegt worden: „So können die Kunden jetzt schon jeden Morgen ab 7 Uhr bedient werden, und die Abstimmung der Abteilungen im Hause läuft noch runder“. Vor allem für die ganz früh erscheinenden Firmenkunden von Außerhalb sei das eine gute Lösung.

Ein frühes positives Fazit

Hanek zeigt sich jedenfalls – auch nach kurzer Zeit schon – sehr zufrieden über den mutigen Schritt: „Unser Team findet die neue Variante toll. Jene, die die 4-Tage-Woche wählten, sehen in der freiwilligen Arbeitsverdichtung für sich persönlich Vorteile. Dass ihr freier fünfter Tag durch längere Arbeit an den anderen vier ausgeglichen werden muss, stört diejenigen ja nicht“.

Für sie fühle es sich stressfreier und entspannter an –, doch es sei alles in allem, so fasst Natascha Schuster, Leiterin der Service-Abteilung, zusammen, „natürlich klar, dass das Modell nicht für jeden in jeder Lebenssituation gleich geeignet“ sei. Die Arbeitszeitkoordinatorin erklärt des Weiteren, dass sich da eine Firma eben flexibel zeigen müsse, „genauso wie die Mitarbeiter selbst“.