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Digital Payments auf der EuroCIS 2021: Heute Handy – morgen Hand?

Mobiles Bezahlen hat sich 2020 in Deutschland etabliert. Neben kontaktlosen NFC-Karten werden auch Smartphone oder Smartwatch immer öfter gezückt. Weltweit sind bereits die ersten biometrischen Zahlverfahren gestartet. Vom 16. bis 18. März 2021 bietet die EuroCIS Gelegenheit, sich über aktuelle Trends und neue Technologien im Zahlungsverkehr zu informieren.

Bezahlen mit einer Handbewegung – was wie Sciencefiction klingt, ist seit kurzem Realität. Ende September gab Amazon bekannt, dass Amazon Go-Kunden künftig mit ihrer Handfläche in den kassenlosen Märkten einchecken können. Amazon One heißt der neue Service, der bisher in zwei Stores in Seattle zur Verfügung steht. Um ihn zu nutzen, müssen Kunden lediglich einmalig am Eingang ihre Handinnenseite scannen lassen. Die biometrischen Daten werden mit der Kreditkarte und der Mobilfunknummer verknüpft und können dann jederzeit zur Identifikation und Zahlungsfreigabe genutzt werden. Ein Amazon-Konto ist nicht erforderlich. Der U.S.-Konzern will das Angebot in den kommenden Monaten nicht nur selbst weiter ausrollen, sondern auch Dritten als Zahlungsverfahren anbieten, beispielsweise Händlern, Betreibern von Stadien oder Bürokomplexen. Man befinde sich bereits in aktiven Diskussionen mit potenziellen Kunden, schreibt Dilip Kumar, Vice President Physical Retail & Technology bei Amazon im Unternehmensblog.

Biometrische Verfahren könnten der nächste große Trend im Zahlungsverkehr werden. Nicht zuletzt durch die Covid-Pandemie erleben hygienische kontaktlose Bezahlmöglichkeiten weltweit einen deutlichen Aufschwung. Das gilt auch für Deutschland: Laut einer aktuellen Branchenumfrage des Digitalverbandes Bitkom zahlt jeder vierte Kunde mittlerweile regelmäßig kontaktlos per Giro- oder Kreditkarte. Und immerhin 16 Prozent zücken an der Kasse bevorzugt Smartphone oder Smartwatch um mit Apple Pay, Google Pay, digitaler Kundenkarte oder handelsübergreifender App zu bezahlen. „Das hygienische Bezahlen per Karte und Smartphone ist in vielen stationären Geschäften innerhalb weniger Wochen zum Standard geworden“, sagt Björn Hoffmeyer, Chief Commer­cial Officer beim Zahlungsdienstleister Payone. Seit Oktober ist Samsung als weiterer Anbieter mit einer Mobilen Payment-Lösung am Markt, die für Beträge ab 100 € sogar Ratenzahlung ermöglicht. Die anwenderfreundlichen digitalen Wallets internationaler Technologiekonzerne wie Apple, Google, Samsung & Co leisten aber nicht nur dem Thema mobiles Bezahlen Vorschub, sondern gewöhnen ihre Nutzer zugleich an biometrische Ident-Verfahren wie Fingerprint oder Face-ID. Biometrische Zahlverfahren gehen noch einen Schritt weiter, indem sie es Kunden ermöglichen, nicht nur ihr Portemonnaie, sondern auch ihr Smartphone stecken zu lassen und Transaktionen einfach nur mit ihrer Handfläche oder ihrem Gesicht zu autorisieren.

Einkaufen mit leeren Händen

In China ist das Bezahlen per Gesichtserkennung bereits seit 2017 möglich. Kunden können die Technologie unabhängig von ihrem Smartphone-Modell nutzen. Alles was sie benötigen, ist ein Konto bei einem Anbieter wie Alipay oder WeChat Pay. Zahlreiche Convenience-Stores, Bäckereien oder Kioske bieten in China das Einkaufen mit leeren Händen bereits an. In Europa hat das rumänische Start-up Pay By Face unterstützt von der Kartenorganisation Visa in diesem Jahr eines der ersten europäischen Zahlverfahren auf Basis von Gesichtserkennung zur Marktreife entwickelt. Nutzer müssen sich einmalig mit einem Selfie, Pass und Kreditkartennummer registrieren und können dann bei teilnehmenden Händlern mit einem Fotoabgleich ihres Gesichts Zahlungen auslösen. Für Händler und Kunden ist der Service kostenlos, Pay By Face finanziert sich stattdessen über Werbung, die auf dem Bildschirm zur Gesichtserkennung gezeigt wird. Abgewickelt werden die Zahlungen über den jeweiligen Acquirer des Händlers genau wie jede andere digitale Kartentransaktion (card-not-present). Als eines der ersten europäischen Unternehmen akzeptiert Up Romania die biometrischen Pay by Face-Zahlungen. Der Anbieter von Essenskarten betreut in 30 Ländern mehr als eine Millionen Firmenkunden mit zusammen fast 30 Millionen Karteninhabern.

Mehr Vielfalt an der Kasse

Der Trend zum digitalen Bezahlen werde anhalten, ist nicht nur Payone-Vorstandsmitglied Björn Hoffmeyer überzeugt. Der Digitalverband Bitkom setzt sich dafür ein, dass bei jedem Bezahlvorgang mindestens eine europaweit nutzbare, digitale Bezahloption verbindlich angeboten werden muss. Auch die EU-Kommission spricht sich in ihrer kürzlich vorgelegten „Retail Payments Strategy“ für eine Stärkung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs durch europäische Anbieter aus. Das Positionspapier sieht unter anderem vor, sogenannte Instant-Payments als pan-europäisches Zahlungssystem zu etablieren. Bei den Sofortüberweisungen ist das Geld binnen weniger Sekunden auf dem Empfängerkonto verfügbar. Brüssel erwägt eine Akzeptanzpflicht an der Kasse sowie gedeckelte Gebühren.

Fazit: Handelsunternehmen müssen sich beim Thema bargeldloses Zahlen auf eine wachsende Vielfalt an Lösungen und ein hohes Innovationstempo einstellen. Den Kunden einen schnellen, nahtlosen und sicheren Checkout mit dem Zahlungsmittel ihrer Wahl zu ermöglichen zähle zu den Top-Prioritäten, heißt es beim internationalen Zahlungsdienstleister Ingenico. Die EuroCIS bietet eine ideale Plattform, um sich gebündelt über aktuelle Entwicklungen rund um das bargeldlose Bezahlen zu informieren.

Die EuroCIS ist von Dienstag, 16., bis Donnerstag, 18. März 2020, täglich von 10.00 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 35,- Euro (25 Euro im Online-Vorverkauf), das Zwei-Tages-Ticket 47,- Euro (37 Euro im OVV). Studenten und Auszubildende zahlen 15,- Euro. Alle Eintrittskarten beinhalten die kostenlose Hin- und Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln des Personennahverkehrs (VRR). www.eurocis.com, mag.euroshop.de