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EuroCIS 2022: Electronic Shelf Labels – Elektronisch ausgezeichnet

Immer mehr Händler erproben elektronische Regaletiketten. Warum? Mehr Tempo bei Preiswechseln und weniger Handarbeit fürs Personal sind nur zwei der mannigfaltigen Gründe. Die EuroCIS, The Leading Trade Fair for Retail Technology, vom 15.-17. Februar 2022 in Düsseldorf, zeigt ein breites Spektrum an Systemen weltweit führender Anbieter.

Der Handel sagt der Zettelwirtschaft den Kampf an und ersetzt die Papierschilder am Regal immer häufiger durch Hightech. Binnen weniger Jahre haben sich die im Fachjargon „Electronic Shelf Labels“ (ESL) genannten Digital-Displays auf breiter Front durchgesetzt – schon bald könnten sie Standard im Handel werden. „In fünf bis acht Jahren wird es keine Filiale der weltweiten Top-50-Händler mehr ohne digitale Preisschilder geben“, ist Michael Unmüßig, Group CMO des ESL-Anbieters SES-imagotag, überzeugt.

Handel investiert in Hightech

Einiges spricht dafür: Auch hierzulande gibt es kaum einen Retailer, der die Technik noch nicht testet oder bereits ausrollt. Zuletzt machten Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd mit ihren Plänen von sich reden, die E-Etiketten offenbar im großen Stil einzuführen. Während sich Lidl augenscheinlich für SES-imagotag als ESL-Lieferanten entschieden hat, befinden sich Aldi Nord und Süd dem Vernehmen nach noch in einem erweiterten Proof of Concept mit diversen Anbietern: Solum, SES-imagotag, Hanshow und Pricer. Lidl und Aldi Nord haben hierzulande eine Handvoll Filialen vollständig oder teilweise mit ESL ausgestattet. Bei Aldi Süd sind es bereits mehr als 100 Märkte.

Die Lidl-Schwester Kaufland plant ebenfalls eine Ausweitung ihrer ESL-Ambitionen. „In einigen Filialen werden wir die Vollausstattung mit digitalen Preisschildern testen“, heißt es seitens des Unternehmens. Bisher sind bundesweit sowie international rund 1200 Kaufland-Filialen mit digitalen Preisschildern für Obst und Gemüse ausgestattet. Damit „können wir Preissenkungen strategischer einsetzen, um unsere Margen zu schützen und den Verderb zu reduzieren“, erläutert Steffen Hartelt, Business Consulting Vertrieb bei Kaufland. Hardware-Lieferant ist Displaydata.

Auch dm-Drogeriemarkt hat die schlauen Schilder inzwischen in einer zweiten Pilotfiliale installiert. Noch sei nicht entschieden, ob es in den Rollout geht. „Es ist nach wie vor schwierig, die enormen Investitionen zu erwirtschaften“, sagt Roman Melcher, Geschäftsführer IT/dmTech. „Daher testen wir weiter und eruieren mögliche Prozessoptimierungen.“ Bisher war der Drogist aufgrund seiner Dauerpreisstrategie und den damit verbundenen wenigen Preisänderungen eher zögerlich beim Einsatz der Technik, die Branchenkennern zufolge SES-imagotag beisteuert.

Fakt ist: Die Hightech-Tags kommen im Handel an, insbesondere im LEH. „Im Lebensmittelhandel, wo eine sehr hohe Artikelanzahl auszuzeichnen ist und die Artikel-Preisanpassungen über wöchentliche Sonderaktionen eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen, zeigt die elektronische Lösung umso stärker ihre Vorteile in der Reduktion von Zeit, Aufwand oder auch Fehlern“, begründet Karl-August Thiele, Geschäftsführer des Dienstleisters S&K Solutions, den Erfolg.

Das belegen die aktuellen Zahlen des EHI Retail Institute, Köln. Demnach setzen bereits 79 Prozent der Lebensmittelhändler elektronische Preisauszeich-nungen ein. Zwar befinden sich etliche Implementierungen noch im Pilotstatus. 54 Prozent der Food-Händler planen jedoch eine Ausweitung, so das Ergebnis der EHI-Studie „Technologie-Trends im Handel 2021“.
Das kommt nicht von ungefähr – die E-Etiketten haben viele Vorteile. Den Unternehmen geht es beispielsweise darum, die Filialprozesse zu optimieren und den Personaleinsatz zu rationalisieren: Durch Preisänderungen auf Knopfdruck entfällt das mühsame und zeitraubende Umstecken der Papierschnipsel. Frei-werdende Kapazitäten können etwa für die Warenverräumung, das Überprüfen der Mindesthaltbarkeitsdaten und den Kundenservice genutzt werden. Und während Lohnkosten, Fachkräftemangel sowie die Frequenz von Preiswechseln und Aktionen steigen, sinken die Kosten für die Systeme aus Anzeigetafeln, Funk-Abdeckung der Filiale sowie Software mit Warenwirtschaftsanbindung zusehends.

Darüber hinaus wird die Technik immer ausgefeilter, etwa im Hinblick auf Les- und Haltbarkeit, Layout, Größen, Design sowie Zusatzfunktionen. „Dank neuer Features und Aufgaben, die ESL übernehmen, kann der Return of Investment deutlich schneller erreicht werden“, betont ESL-Hersteller Pricer. E-Etiketten werden immer wichtiger „als digitales Fenster zum Kunden und Hilfsmittel für Unternehmen“, ergänzt der südkoreanische Anbieter Rainus.

Für die Technik spricht zudem die Möglichkeit, in einer immer mehr von Aktionen getriebenen Branche schnell auf Preisänderungen der Konkurrenz reagieren sowie eine naht- und reibungslose Omnichannel-Preisstrategie umsetzen zu können. Auch Verbraucher, die zunehmend im Internet Preise vergleichen, „er-höhen den Druck auf stationäre Einzelhändler, schnell und akkurat auf Wettbewerbspreise zu reagieren, um ihre Marktanteile zu behalten“, erklärt Andrew Dark, CEO von Displaydata. ESL-Lösungen garantieren, dass die Preise am Regal dank Anbindung ans ERP-System immer zu 100 Prozent mit denen an der Kasse und im Webshop übereinstimmen.

Doch dem Boom droht ein Dämpfer, zumindest vorübergehend: Corona, Containermangel und die starke Nachfrage führen auf Dienstleisterseite zu ersten Preissteigerungen und Lieferengpässen bei ESL-Bauteilen aus Fernost. Auf Kundenseite, im Handel, scheint sich das noch nicht bemerkbar zu machen. „Eine Preissteigerung der ESL erwarten wir aktuell nicht“, berichtet Aldi Süd. Noch nicht. Firmen, die Neuprojekte planen, dürften die Folgen knapper Kom-ponenten und Logistikkapazitäten noch zu spüren bekommen.

EuroCIS zeigt Zukunftstechnologien

Dem Trend hin zu ESL und der Digitalisierung der Filialen wird das sicherlich keinen Abbruch tun. „Wir sehen ESL als ersten Schritt hin zu einer komplett durchdigitalisierten Filiale“, heißt es seitens des ESL-Anbieters Solum. Auch Lidl bestätigt die Relevanz, quasi stellvertretend für die ganze Branche: „Elekt-ronische Preisschilder sind für uns ein bedeutendes Zukunftsthema.“ Kein Wunder also, dass digitale Preisschilder auch auf der EuroCIS 2022 ein zentraler Messeschwerpunkt sein werden.

Die EuroCIS 2022 bietet Gelegenheit, sich in den Hallen 9 und 10 des Düsseldorfer Messegeländes einen aktuellen Überblick das Angebot an ESL-Lösungen für den Einsatz im Handel zu verschaffen. Die EuroCIS 2022 ist für Fachbesucher von Dienstag, 15. Februar, bis Donnerstag, 17. Februar 2022, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 35,- Euro (25 Euro im Online-Vorverkauf), das Zwei-Tages-Ticket 47,- Euro (37 Euro im OVV). Stu-denten und Auszubildende zahlen 15,- Euro. Weitere Informationen unter: www.eurocis.com

News, Stories, Interviews und Reportagen aus der Branche sowie speziell zum Thema Retail Technology gibt es im Onlinemagazin der EuroCIS und EuroShop https://mag.euroshop.de

November 2021