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9. BVSW Wintertagung am Spitzingsee - ein Nachbericht

Der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) e.V. veranstaltete vom 11. bis 13. März 2020 seine 9. Wintertagung im Arabella Alpenhotel am Spitzingsee. Im Fokus der Tagung stehen alljährlich die aktuellen Trends und Entwicklungen sowie ihre Auswirkungen auf die Sicherheit der deutschen Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hatte der Verband umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit sich die rund 100 Experten aus Politik und Wirtschaft sicher wissen durften. 

Grenzen der Sicherheit oder Sicherheit ohne Grenzen? Das ist das Motto der alljährlichen BVSW Wintertagung. Wie schnell Sicherheit an ihre Grenzen gerät, zeigt die Corona-Krise wie im Zeitraffer: In einer globalisierten Welt haben Ereignisse rund um den Globus Einfluss auf die Sicherheitslage in Deutschland, ganz gleich, ob es sich um militärische Konflikte handelt, Klimakatastrophen oder eben gesundheitliche Krisen.

Bei der Begrüßung der Gäste betonte Alexander Borgschulze, Vorstandsvorsitzender des BVSW: „Für die Durchführung der Wintertagung trotz Corona-Krise war die Tatsache entscheidend, dass es sich um eine geschlossene Veranstaltung handelt.“ Alle Gäste sowie das anwesende Hotelpersonal hatten vorab einen Selbstauskunftsbogen ausgefüllt, in dem unter anderem vermerkt wurde, ob man ein Risikogebiet bereist hatte, oder mit Personen in Kontakt stand, die sich in einem solchen aufgehalten hatten. Personen, bei denen dies zutraf, durften nicht an der Wintertagung teilnehmen. Zu Beginn der Veranstaltung erhielten die Teilnehmer eine Hygieneschulung sowie Tipps zur Vorbeugung einer Infektion durch Dr. med. Michael Weinlich. Der Arzt und Geschäftsführer des medizinischen Beratungsunternehmens med con team informierte die Teilnehmer zudem jeden Morgen über die tagesaktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise.

Auch wenn das neue Virus derzeit die Schlagzeilen dominiert, gibt es noch weitere Faktoren, die die Sicherheit der Wirtschaft in Deutschland gefährden. Dr. Gunther Schmid, Professor (em) für internationale Politik und Sicherheit, sieht Deutschland im Zentrum eines geopolitischen Erdbebens, das das Fundament deutscher Außenpolitik ins Wanken bringt. Dieses Fundament bestand bislang drei Säulen: Einer regelbasierten, liberalen Weltordnung und einem stabilen Verhältnis zu den USA – beides droht mehr und mehr zu verschwinden. Auch die dritte Säule, Deutschlands starke und exportorientierte Wirtschaft, gerät durch das Aufstreben Chinas und den Protektionismus der USA zunehmend unter Druck. Dr. Schmid plädierte für ein stärkeres Europa, um eine Unabhängigkeit von den Großmächten China und USA zu ermöglichen.

Mit dem Eröffnungsvortrag am Donnerstag richtete sich der Blick von der globalen Sicherheitslage hin zur Situation in Bayern. In der derzeitigen Corona-Krise hilft die Polizei unter anderem dabei, Kontaktpersonen von möglicherweise Infizierten zu ermitteln und zu informieren, wie Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer darlegte. Ansonsten sind es vor allem die digitalen Viren, die die Polizei beschäftigen: Cyber-Kriminalität ist im letzten Jahr um 12 Prozent gestiegen. Starke Zuwächse verzeichnen insbesondere die Lösegelderpressung durch die Verschlüsselung von Daten sowie der sogenannte CEO-Fraud. Durch die sozialen Medien hätten Hasskriminalität und Kinderpornographie stark zugenommen. Doch so lange Provider keine Klarnamen nennen müssen, ließen sich diese Phänomene nicht ausreichend bekämpfen, so Dr. Schmidbauer.

Anschließend nahm Florian Wagner die Tagungsgäste mit auf eine multimediale Reise nach Afrika. Der Abenteuerfotograf und Hubschrauberpilot hat mit seinem Team 10 Länder auf dem afrikanischen Kontinent besucht, um auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser aufmerksam zu machen.

Ebenfalls mit Strömen, allerdings mit menschlichen, befasst sich die Firma accu:rate GmbH: Das Team rund um die mehrfach ausgezeichnete Informatikerin Dr. Angelika Kneidel analysiert Personenströme per Computer, um Flucht- und Rettungswege sicher zu gestalten. Das Unternehmen hat bereits bei der Optimierung der Räumungssituation beim Oktoberfest, der Allianz-Arena und im Schloss Neuschwanstein mitgewirkt. Besonders geeignet ist die Computersimulation für die effektive Personaleinsatzplanung, beispielsweise bei Sicherheitspersonal oder an Ticketschaltern.

Der Terrorismusexperte Prof. Dr. Alexander Straßner von der Uni Regensburg gab anschließend Einblicke in seine Forschungsarbeiten. Er untersucht unter anderem die Gründe für die Radikalisierung westlicher Jugendlicher. Einer, so Straßner, liege seinen Erkenntnissen nach in der geringen Bindungsfähigkeit der westlichen Gesellschaft.

Der Kongresstag schloss mit einem Gespräch mit Prof. Jörg Zierke, der nach langjähriger Tätigkeit als Präsident des Bundeskriminalamts im Herbst 2018 den Bundesvorsitz des Opferschutzverbandes WEISSER RING e.V. übernahm. Prof. Zierke erklärte, dass die Anwendung des Opferentschädigungsgesetzes in Deutschland Ländersache sei, was zu höchst unterschiedlichen Anerkennungsquoten führen würde. Zentrale Clearingstellen wären wünschenswert, um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der IT-Sicherheit. Wo die „Trends“ in Sachen Cyberkriminalität hingehen, erläuterte Boris Bärmichl, BVSW Vorstand für Digitales und IT-Sicherheitsexperte. Beispielsweise Car-Hacking: Nachdem Autos mit immer mehr digitaler Technik ausgestattet sind, würden Cyber-Kriminelle auch zunehmend versuchen, in diese Systeme einzugreifen. Die gleiche Entwicklung lässt sich im Bereich der Medizintechnik beobachten.

Wie es im Rahmen der Digitalisierung um die Sicherheit der kritischen Infrastrukturen bestellt ist, diskutierte Bärmichl anschließend mit Holger Berens, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands für den Schutz kritischer Infrastrukturen, Prof. Dr. Ulrike Lechner von der Bundeswehruniversität in München sowie Andreas Meyer, CSO und Gründer von indevis.

Zum Abschluss präsentierte Dr. Benedikt Franke ein Resümee der Münchner Sicherheitskonferenz 2020. Im Fokus der diesjährigen Konferenz standen dabei das westliche Bündnis, liberale Werte und die Zukunft des Multilateralismus in Zeiten großer geopolitischer Umbrüche.

 

„Wir sind hochzufrieden, dass trotz der widrigen Umstände dieses Jahr so viele hochrangige Sicherheitsexperten zur Wintertagung gekommen sind,“ sagt Caroline Eder, Geschäftsführerin des BVSW. „Das zeigt uns, wie sehr die Teilnehmer unsere Themensetzung, die Möglichkeiten zum Networking und das ansprechende Rahmenprogramm schätzen. Wir freuen uns auf die Jubiläumsausgabe der Wintertagung im kommenden Jahr.“

 

Die 10. BVSW Wintertagung findet vom 10. bis 12. März 2021 statt, Buchungen sind ab sofort möglich.

Weitere Infos unter: bvsw.de