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Kostenloser ÖPNV? Mit Datenanalyse kein Problem! - Ein Statement von Vinci Energies Deutschland zur freien redaktionellen Verfügung

Die Forderungen nach einem kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden gerade in Zeiten von Dieselskandal und „Fridays for Future“ immer vehementer. Dass dies kein unrealisierbarer Wunsch ist, zeigen Städte wie Tallinn, Melbourne und Warschau bereits seit Jahren. Doch wie genau schaffen es diese Vorreiter? Woran scheitert die Umsetzung in Deutschland? Diese und weitere Fragen beantwortet Ihnen Sascha Bäcker, Teamleiter Duality bei Axians Digital Acceleration GmbH Deutschland, im folgenden Statement zur freien redaktionellen Verfügung.

Kostenloser ÖPNV? Mit Datenanalyse kein Problem!

Tallinn, Melbourne und Warschau machen es vor: Die Bürger der Städte fahren im öffentlichen Nahverkehr kostenlos. In der estnischen Hauptstadt gilt das für alle Busse und Bahnen, in der zweitgrößten Metropole Australiens auf einigen Straßenbahn-Strecken, in Polens Hauptstadt an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung. Das ist die Hauptmotivation für das Gratisangebot: Die Luft in den Städten soll besser werden.

Deutsche Städte sind bislang zurückhaltend. Lediglich Augsburger fahren ab Ende 2019 in einer kleinen Zone gratis mit Bussen und Straßenbahnen. Die Bundesregierung erwägte einen Testlauf in ausgewählten Städten – alle fünf lehnten aus Kostengründen ab. Dabei wäre es schon heute problemlos möglich, den ÖPNV kostenlos nutzbar zu machen – ohne dass die Verkehrsbetriebe draufzahlen müssten –, mit Hilfe von Daten.

Den Betreibern von U-, S- und Trambahnen sowie Bussen stehen unzählige Informationen zur Verfügung. Sie wissen zum Beispiel, welche Fahrzeuge gerade wo unterwegs sind, welche Strecke sie schon zurückgelegt haben und ob sie pünktlich sind. Aber darüber hinaus kennen sie auch den Standort ihrer Passagiere – jedenfalls, wenn diese die App der Verkehrsgesellschaft auf dem Smartphone besitzen. Warten sie gerade an einer Haltestelle und checken den Fahrplan in der App, oder laufen sie auf den U-Bahnhof zu und kaufen mobil ein Ticket? Diese Momente könnten die ÖPNV-Betreiber zum Vorteil der Fahrgäste ausnutzen, vorausgesetzt, diese stimmen der Nutzung ihrer Daten explizit zu. Denkbar wäre, dass die Kunden einschränken können, in welchem Kontext sie ihre Daten zur Verfügung stellen möchten, beispielsweise nur, wenn sie die App verwenden oder wenn sie sich am Hauptbahnhof befinden. Im Gegenzug erhalten sie dann passende Angebote, über die der öffentliche Nahverkehr finanziert wird. 

Wie das aussehen könnte, haben wir als Digitalisierungsspezialisten von Duality zusammen mit den Datenanalysten von Axians IT Solutions bei einem Modellprojekt erarbeitet. Für einen großen ÖPNV-Anbieter werteten wir die Daten aus, die das Unternehmen kontinuierlich sammelt, und transformierten diese in hilfreiche Informationen. Mit Hilfe eines Augmented-Reality-Modells und Microsofts Hololens-Brille haben wir die verfügbaren Daten visualisiert. Damit ist veranschaulicht, wo welche U-Bahnen oder Busse gerade unterwegs sind, ob sie pünktlich ankommen und ob sie ausgelastet oder vollbesetzt sind. Das Modell zeigt aber anhand von anonymisierten Daten zusätzlich auch die Anzahl der wartenden Passagiere an den Haltestellen an. 

Jetzt kommt die App ins Spiel. An alle Fahrgäste, die dem zugestimmt haben, spielen die ÖPNV-Betreiber über sie neuartige Dienste aus, etwa einen Ticketverkauf für Veranstaltungen in der Nähe. Aber auch Geschäfte und Firmen in der Umgebung zeigen genau zu dieser Zeit gezielt Anzeigen über die App an. Damit weisen sie auf Angebote hin, die die Passagiere gerade interessieren könnten, etwa für ein Frühstück oder reduzierte Waren im Supermarkt um die Ecke. Die werbenden Firmen zahlen dafür, Werbung schalten zu dürfen. Dieses Geld wird dazu verwendet, den Betrieb von Bussen, U- und Straßenbahnen für die Passagiere gratis anzubieten. Voraussetzung wäre selbstverständlich, dass Kunden einer Erfassung und Weitergabe ihrer Daten an externe Firmen zustimmten. 

Jetzt müssen die Unternehmen und die ÖPNV-Betreiber aktiv werden. Ihnen ist zu raten, einen Testlauf zu starten und den Kunden ein Angebot zu machen. Im Gegenzug könnten diese im ersten Schritt einen Gratisfahrschein für eine Strecke erhalten. So loten die Betriebe aus, ob Passagiere eine solche Offerte annehmen würden. Wenn ja, kann sie nach und nach ausgebaut werden. Die jeweilige Stadt könnte dann in Zukunft in einem Atemzug mit den Gratis-ÖPNV-Vorreitern aus Tallinn, Melbourne und Warschau genannt werden.