Anmelden


Was heute zu tun ist, um die digitale Infrastruktur der Wohngebäude von morgen zu sichern

Welche Weichen muss die Politik jetzt stellen, um das vernetzte Haus der Zukunft zu ermöglichen? Antworten darauf gibt das Positionspapier „Wohnen in Gebäuden der Zukunft – Anforderungen an eine digitale Infrastruktur“ der Wirtschaftsinitiative Smart Living (WI SL). Anlässlich der Vorstellung hatte die WI SL gestern die Bundestagsabgeordneten Daniel Föst (FDP), Timon Gremmels (SPD), Mechthild Heil (CDU/CSU), Christian Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) und Erwin Rüddel (CDU/CSU) zu einer Diskussion geladen.

„Der Gebäudesektor trägt maßgeblich zum Gelingen der Energiewende bei“, erläuterte Ingeborg Esser, Leiterin des Strategiekreises der WISL und Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW), zur Einleitung des digitalen Parlamentarischen Abend. „Gebäudeautomation (GA) und Energiemanagement (EM) können einen großen Beitrag zur geplanten CO2-Reduzierung bis 2030 leisten und sind Schlüssel zur Lösung weiterer Herausforderungen unserer Zeit. So unterstützen sie auch die Bewältigung des demografischen Wandels, erhöhen die Wohnsicherheit und fördern die digitale Transformation des Zuhauses in einen Arbeits- und Bildungsort.“ Derzeit fehlt es jedoch an vielen Stellen noch an einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur, um diese Vorteile flächendeckend zu nutzen.

Bestandsaufnahme: Gebäudeautomation mangelhaft
Aktuell ist Gebäudeautomation im Wohnungsbau nur wenig verbreitet. Mängel in der Elektro-Infrastruktur zeigen sich vielerorts in Form von veralteten Zählerschränken oder Elektroleitungen. Zudem wird das Potenzial von Smart-Health-Lösungen kaum genutzt, sondern oft einzelne Gesundheits-Apps verwendet, die keinen ausreichenden Datenschutz bieten. Auch beim Thema Wohnsicherheit besteht viel Luft nach oben – über 70 Prozent der Wohnungen verfügen aktuell über keine spezielle Sicherheitstechnik.

„Um Bestandsgebäude und Neubauten fit für die Zukunft zu machen, benötigen sie eine digitale Infrastruktur, mit der Nutzer:innen Geräte, Produkte und Dienste unterschiedlicher Anbieter nutzen können. Dazu sind interoperable Plattformen erforderlich“, erklärt Hans-Georg Krabbe, Leiter des WI SL-Lenkungskreises. Die WI SL empfiehlt daher, im Gebäude Energie Gesetz (GEG) die Entwicklung der digitalen Infrastruktur auf Basis verteilter Plattformen zu verankern. In Gesetzen und Verordnungen sollten zudem GA und EM als Maßnahmen zur CO2-Reduzierung berücksichtigt werden.

Timon Gremmels (SPD): „Smart Living ist nicht ´nice to have´, sondern die Grundlage für Effizienzsteigerungen im Gebäude und damit für die Erreichung der Klimaziele. Im GEG muss das Thema smarte Steuerung eine zentrale Rolle einnehmen. Ich kann mir vorstellen, dass im Zuge einer GEG-Novellierung die Gebäudeautomation in Zukunft stärker gefördert wird.“ Auch Christian Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der B90/Die Grünen-Fraktion, sprach sich für eine GEG-Anpassung aus und erklärte, dass „deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden muss für smarte Lösungen bei Gesundheitsanwendungen und Energieeffizienz im Gebäude.“

Der Einsatz von GA und EM scheitert in der Praxis bislang häufig daran, dass Vermieter:innen  die Investitionskosten tragen, während Mieter:innen von den geringeren Heizkosten profitieren. „Um dieses Investor-Nutzer-Dilemma aufzulösen, regen wir ein ,digitales Nebenkostenrecht‘ an“, so Ingeborg Esser. Kosten für GA-Systeme und Breitbandnetze im Gebäude sollten so über die Betriebskosten abrechenbar sein. „Das Nebenkostenrecht braucht dringend eine Reform, damit die Grundlagen für weitere Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudesektor geschaffen werden“, erklärte Daniel Föst, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Er mahnte zudem an, dass „der Datenschutz nicht zum Fortschrittsverhinderer werden darf.“

Elektroinstallation und Sicherheit fördern, Smart Health und Qualifizierung vorantreiben
Die WI SL fordert, dass die Modernisierung von Elektroschaltschränken, Zählerplatzanlagen und Schutzeinrichtungen sowie deren Bestandsaufnahme und passende Beratungen gefördert werden. Einbruchschützende Sicherheitstechnik sollte auch im Neubau für die Förderung zugelassen werden. Mechthild Heil (CDU/CSU), Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, unterstrich die Bedeutung des Gebäudebestandes für die Klimaziele. Es seien weiterhin Mittel der öffentlichen Hand notwendig, um die oft sehr unterschiedlich gestalteten Gebäude modernisieren zu lassen.

Zudem ist aus Sicht der WI SL eine Ausweitung förderfähiger Maßnahmen des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ auf digitale Software-Lösungen zur Erkennung kritischer Situationen erforderlich. Erwin Rüddel (CDU/CSU), Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Gesundheit, erklärte: „Smart Living kann den Wunsch älterer Menschen unterstützen, länger in ihrem Zuhause wohnen zu bleiben. Gleichzeitig spart jeder Monat, den ältere Menschen später in das Pflegeheim kommen, den Pflegebedürftigen bzw. ihren Angehörigen viel Geld.“

Und um die umfangreiche Digitalisierung des Gebäudesektors umzusetzen, braucht es Fachkräfte: Auch hier zeigt das Positionspapier, an welchen Stellschrauben für die Qualifizierung gedreht werden muss.