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1. Cybersicherheitsforum 2019 mit rund 350 Teilnehmern in Stuttgart

Innen- und Digitalisierungsminister Thomas Strobl: „Cybersicherheit ist Voraussetzung für erfolgreichen digitalen Wandel. Hier leisten wir Pionierarbeit.“ „Cyberattacken zerstören das Vertrauen der Menschen in digitale Anwendungen und bedrohen die Existenz unserer Unternehmen. Die Cybersicherheit ist ganz entscheidend bei der Frage, wie erfolgreich wir beim di- gitalen Wandel sein werden. Die Cybersicherheit ist damit ein bedeutender Standortfaktor, gerade für die Weltmarktführer und Hidden Champions in Baden-Württemberg. Wir, das Land, setzen daher auf Cybersicherheit. Wir wollen Vorreiter und Taktgeber in diesem Bereich sein. Daran arbeiten wir mit aller Kraft – und leisten dafür mit Projekten wie der Cyberwehr auch Pionierarbeit in Europa“, so der Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl am Donnerstag, den 7. Februar 2019, bei der Eröff- nung des ersten CyberSicherheitsForums von Baden-Württemberg in Stuttgart.

Das Innenministerium und Landeskriminalamt haben zum ersten CyberSicherheitsForum ins Haus der Wirtschaft eingeladen. Unter dem  Motto „Wirtschaft. Digital. Sicher“ trafen sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissen- schaft und Sicherheitsbehörden zum interdisziplinären Austausch. Gerade auch mittelständische Unternehmen sollten für das Thema Cybersicherheit sensibilisiert und über Maßnahmen im Umgang mit Cyberkriminalität informiert werden. Über 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind der Einladung zum CyberSicherheitsForum gefolgt. „Wir wollen damit ganz gezielt Entscheider, Sicherheitsexperten und Unternehmerinnen und Un- ternehmer zusammenbringen“, so Digitalisierungsminister Thomas  Strobl.

Die Referenten waren hochkarätig, darunter der ehemalige BND-Präsident Dr. August Hanning und der Cyber-Experte von EUROPOL, Dietrich Neumann. „Der Cyberspace ist Teil des Staatsgebietes geworden“, argumentierte Neumann. Dementsprechend müssen Regierungen weltweit reagieren. Dr. Hanning beschrieb das internationale Gefährdungspotenzial insbesondere durch China, Russland und Iran: „Wir brauchen im staatlichen Bereich in Deutschland eine engere Bündelung der Kräfte, eine engere Abstimmung zwischen Bund und Ländern und einen intensiveren Informationsaustausch mit befreundeten Nationen. Im Unternehmensbereich muss die Förderung leistungsfähiger deutscher Unternehmen im Bereich Cybersicherheit deutlich erhöht  werden.“

Cybersicherheit als Standortfaktor gerade für  Baden-Württemberg

In den vergangenen zwei Jahren waren laut einer Studie des Branchen- verbandes Bitkom bereits sieben von zehn Industrieunternehmen  Opfer von Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage(1). Das Bundesamt für Verfassungsschutz beziffert den Schaden für deutsche Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren auf mindestens 43 Milliarden Euro(2). „Wir  sind das Land der Hidden Champions, nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viele wie bei uns. Wir sind der Innovationsmotor Europas und beheimaten damit unfassbar viel Knowhow, das geschützt werden muss“, so  der Digitalisierungsminister. „Wir sind aber auch das Land der KMU, der kleinen und mittleren Unternehmen – sie alleine stellen rund 60 Prozent  der Arbeitsplätze. Und gerade sie sind gegen Cyberangriffe nicht immer ausreichend gewappnet“, so der Minister.

Ausweitung der erfolgreichen polizeilichen Strukturen

Deshalb hat das Land die bereits erfolgreichen Strukturen bei der Polizei ausgeweitet. Die Polizei Baden-Württemberg verfügt beim Landeskriminalamt und den regionalen Polizeipräsidien flächendeckend über spezialisierte Einheiten zur Bekämpfung der Cyberkriminalität. Baden-Württemberg ist damit das erste Bundesland mit einem solchen ganzheitlichen Ansatz. „Gerade weil die Cybersicherheit für ein Technologieland  wie Baden-Württemberg ein so bedeutender ökonomischer Faktor ist, hat das Land hier jetzt auch ganz gezielt Maßnahmen und Programme angestoßen. Die Polizei kümmert sich seit einigen Jahren sehr erfolgreich um die Strafverfolgung im Bereich Cybercrime. Die Wiederherstellung der Daten geht dabei allerdings weit über den polizeilichen Auftrag hinaus. Bislang konnte die Polizei die betroffenen Unternehmen lediglich auf eine  Liste zertifizierter IT-Unternehmen des Bundesamtes für Informationssi- cherheit verweisen – auf der aber nur ein Dienstleister aus Baden-Württemberg gelistet war. Diese Lücke schließen wir jetzt – mit Projekten wie der Cyberwehr oder gezielten Förderprogrammen, die Start-Ups das nötige Rüstzeug an die Hand geben, um sich erfolgreich im IT- Sicherheitsmarkt zu  etablieren“, so  der Digitalisierungsminister. Aber auch gezielte Präventions- und Informationsmaßnahmen stünden verstärkt im Fokus.

Beim ersten CyberSicherheitsForum wurden etwa Maßnahmen vorgestellt, mit denen sich Unternehmen vor Cyberattacken auch auf kritische Infrastruktur schützen können. Darüber hinaus gab das Landeskriminalamt als Mitveranstalter Einblick in die Ermittlungsarbeit der auf Cyberkriminalität spezialisierten Abteilung „Cyberkriminalität/Digitale Spuren“. Über 130 Spezialisten sind dort unter anderem für die IT- Beweissicherung, Ermittlungsunterstützung, Telekommunikationsüberwachung und forensische Datenträgeranalyse rund um die Uhr im Einsatz.

Hinzukommen rund 280 Ermittler, Datenauswerter und IT-Beweissicherer bei den regionalen Präsidien.

Pionierarbeit mit der Cyberwehr

Auf dem CyberSicherheitsForum wurde auch die Cyberwehr näher vorgestellt und stieß auf großes Interesse. Im August 2018 gestartet, steht sie zurzeit rund 11.000 Unternehmen im Großraum Karlsruhe zur  Verfügung.

„Mit der Cyberwehr haben wir eine bundesweit einmalige Anlaufstelle für kleine und mittlere Unternehmen geschaffen. Eine Feuerwehr, die den Brand bei kleinen und mittleren Unternehmen nach einem Cyberangriff löscht“, erklärt Minister Thomas Strobl. Bislang konnte die Cyberwehr in fast 50 Fällen Hilfe leisten. In vielen Fällen konnte bereits die telefonische Ersthilfe den Schaden einschränken oder ausreichende Handlungsempfehlungen geben. Aber auch die Task-Force, ein Spezialisten-Team der Cyberwehr, war schon mehrfach im Einsatz vor Ort, um den Schaden zu beheben. Bislang konnten die Systeme bei allen bearbeiteten Fällen wieder zum Laufen gebracht werden. Eine Wiederaufnahme der Geschäftsprozesse war möglich und die Systeme wurden zudem für künftige Angriffe abgesichert. Seit diesem Monat ist die Cyberwehr auch an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr  erreichbar.

Die Cyberwehr Baden-Württemberg

  • Die Cyberwehr ist ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt. Hintergrund für den Aufbau der Cyberwehr war u.a., dass es für die kleinen und mittel- ständischen Unternehmen (KMU´s) keine Anlaufstelle gibt, die bei Cyberattacken schnelle und praktische Hilfe bietet.
  • Seit 2013 gibt es die ZAC, die zentrale Ansprechstelle für Cybercrime des LKA. Diese konzentriert sich allerdings auf die Strafverfolgung. Die Wiederherstellung von IT-Sicherheitssystemen geht über den polizeilichen Auftrag hinaus.
  • Deshalb startete das Land das bundesweit einmalige Pilotprojekt Cyberwehr und betritt damit im Bereich der Cybersicherheit Neuland. Das Ziel: Über die Hotline der Cyberwehr sind zertifizierte Expertenteams erreichbar, die 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag ähnlich einer Feuerwehr schnell Hilfe leisten sollen. Der Pilotbetrieb ging im August in der Technologieregion Karlsruhe an den Start.

Die konkreten Aufgaben der Cyberwehr  sind:

  • Qualitätsanforderungen für Experten zu definieren und sie bei ausreichender Qualifikation in einer Anbieterliste zu führen, auf die die Cyberwehr für Einsätze zurückgreifen kann.
  • regionale Expertenteams zu trainieren und eine Zertifizierung für diese durchzuführen.
  • als „One-Stop-Shop“ über eine Notfall-Rufnummer für betroffene Organisationen erreichbar zu sein und den Kontakt zwischen der Organisation und den verfügbaren Notfall-Teams zu  vermitteln.
  • potentiell gefährdete Unternehmen in Zusammenarbeit mit anderen Landeseinrichtungen, wie dem Verfassungsschutz, für die bestehenden Gefährdungen zu sensibilisieren.
  •  Vorfälle auswerten und daraus ein (anonymisiertes) Lagebild für die Sicherheit von baden-württembergischen Unternehmen wie auch von der Verwaltung des Landes Baden-Württemberg abzuleiten.

Das Projekt wird von einem Konsortium bestehend aus FZI Forschungszentrum Informatik, Digitales Innovationszentrum (DIZ), CyberForum e.V. und der Secorvo Security Consulting GmbH auf den Weg gebracht und ist seit August im Probebetrieb. Es ist ein Projekt von Unternehmen für Unternehmen. Das Land leistet im Rahmen der Digitalisierungsstrategie digital@bw eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,8 Millionen  Euro.

Programme des Landes im Bereich  Cybersicherheit

  • In Baden-Württemberg haben wir eine Vielzahl von Studiengängen an  den Hochschulen und Fachhochschulen bis hin zur IT-Forensik, beispielsweise an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, an der auch Sachverständige von Bundesbehörden ausgebildet werden.
  • Beim CyberForum in Karlsruhe ist zudem im Frühjahr 2018 das Programm IT Security LAB an den Start gegangen. Es gibt Start-Ups das nötige Rüstzeug an die Hand, um sich im Bereich der IT-Sicherheit erfolgreich am Markt zu etablieren und sie im Bereich der IT-Sicherheit fit für die Zukunft zu machen.
  • In dem Programm durchlaufen Start-Ups beispielsweise in sechs bis acht Wochen entsprechende Qualifizierungsmodule zur schnelleren Un- ternehmensentwicklung. Pro Jahr sollen auf diese Weise rund zehn Gründungsvorhaben mit insgesamt rund 30 Gründern betreut  werden.
  • Begleitet werden die Gründerinnen und Gründer dabei von erfolgreichen IT-Sicherheitsunternehmern aus dem Netzwerk des CyberForum, die das Programm als ehrenamtliche Mentoren begleiten. Jedes Gründerteam bekommt durch das CyberForum auch noch eine entsprechende Beratung zur besten Finanzierungsform. Dazu analysiert das CyberForum zum Bei- spiel mit jedem Gründerteam, welche Finanzierungsformen für sein Vorhaben am Besten geeignet sind (etwa Bankenfinanzierung oder Risikokapital).
  • Geschäftsvorhaben mit Aussicht auf Risikokapital werden auf vier Veranstaltungen pro Jahr dem Investorenkreis des CyberForum vorgestellt.

Geschäftsvorhaben, die für Risikokapital ungeeignet sind, vermittelt das CyberForum an relevante Förderprogramme.

  • Das Land fördert das IT Security LAB mit rund 300.000 Euro. Aktuell werden drei Firmen betreut und weiterentwickelt.
  • Das Wirtschaftsministerium unterstützt diese Entwicklungen mit dem ebenfalls im Rahmen der Digitalisierungsstrategie geförderten Modellvorhaben „Cyber-Protect“, das Unternehmen bei der Cybersicherheit unterstützt (Beratung zu den unterschiedlichen Sicherheitssystemen und Festlegung von Standards für die  Sicherheitsprüfung).

(1) https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Attacken-auf-deutsche-Industrie-verursachten-43-Milliarden-Euro-Schaden.html

(2) https://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/presse/pm-20180913-bfv-bitkom-vorstellung-studie-wirtschaftsspionage-2018